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Brief an den Jugendoffizier

Der neu eingesetzte Kölner Jugendoffizier hat an das Kölner Friedensforum geschrieben und vorgeschlagen, dass man miteinander Gespräche führe. Warum wir verzichteten, haben wir in unserem Antwortbrief aufgeschrieben:

Sehr geehrter Herr Brake,                                                                                        Köln, 6.8.2015

vielen Dank für Ihren Brief an das Kölner Friedensforum, in dem Sie uns in Ihrer Funktion als Jugendoffizier der Bundeswehr in Köln einladen, gemeinsam mit Ihnen in einen „fruchtbaren Dialog“ einzutreten, und sogar Ihrer Hoffnung auf „Möglichkeiten der gemeinsamen Zusammenanrbeit“ Ausdruck verleihen. Da Sie sich nicht als eine an Friedenspolitik interessierte Privatperson  Moritz Brake an uns wenden, sondern ausdrücklich als Jugendoffizier der Bundeswehr im Rang eines Kapitänleutnants, erlauben wir uns, Ihren Brief öffentlich zu beantworten.

Um damit nicht hinter dem Berg zu halten, das Wichtigste zuerst: Zwischen dem Kölner Friedensforum und der Bundeswehr wird es keinen Dialog geben und schon gar keine Zusammenarbeit. Diese Ablehnung gründet auf der Unvereinbarkeit, ja grundsätzlichen Gegensätzlichkeit unserer und Ihrer Interessen und Überzeugungen:

Als Soldat und Offizier, der an Bord von Kriegsschiffen im aktiven Einsatz war, ist Krieg für Sie ein legitimes Mittel der Politik – wir bekämpfen den Krieg und lehnen Einsätze der Bundeswehr ohne jedes wenn und aber ab.

Sie schreiben, es ginge Ihnen „in Ihrer jetzigen Aufgabe nicht um Nachwuchsgewinnung für die Bundeswehr“ sondern um Ihren „Einsatz für eine lebendige, kontroverse und vielseitige Diskussion über Sicherheitspolitik“. Mit anderen Worten: um Werbung, Agitation und Propaganda für die deutschen Streitkräfte. Wir sind dafür, die Armee, in deren Sold Sie stehen, möglichst schnell entscheidend zu verringern und schließlich abzuschaffen.

Als Jugendoffizier ist es Ihre Aufgabe, die Herzen und Hirne Jugendlicher in Schulen, Universitäten, auf Messen und anderen Veranstaltungen für die Aufrüstungs- und Kriegspolitik von NATO und Bundesregierung zu gewinnen – wir treten für ein entmilitarisiertes Bildungssystem ein, in dem es für die Werbung fürs Töten und Sterben keinen Platz gibt.

Ihren Wunsch, mit uns zu sprechen, halten wir für ein durchsichtiges Manöver, der deutschen „Armee im Einsatz“ (und dieser Einsatz  hat bereits hunderte Menschenlaben gekostet) und ihrer Propaganda eine demokratische und kritische Staffage zu verschaffen. Es tut uns leid – dafür stehen wir nicht zur Verfügung.

Statt Ihre und unsere Zeit mit einem sinnlosen Dialog zwischen unversöhnlichen Grundhaltungen zu vergeuden, nutzen wir diese Zeit lieber,um weiterhin für den Frieden und gegen die Bundeswehr (und alle anderen Armeen) tätig zu sein. Es scheint, dass der Einsatz für eine Welt ohne Kriege und Armeen mehr lohnt als ein Dialog mit einem Armeevertreter.

Als der deutsche Dichter und Schriftsteller Peter Hacks einmal gefragt wurde, ob er auf dem Berliner Dorotheenstädtischen Friedhof, auf dem bereits der von ihm nicht eben geschätzte Dramatiker Heiner Müller zur ewigen Ruhe gebettet worden war, begraben zu werden wünsche, lehnte er ab: „Wir haben uns nicht so viel zu sagen, dass es für die Ewigkeit reichte.“ Sie und wir haben uns nicht einmal so viel zu sagen,dass es für ein Gespräch zwischen uns reichen würde.

Nehmen Sie es nicht persönlich und seien Sie trotz allem freundlich gegrüßt vom

Kölner Friedensforum

 

 

 

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