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Erst töten, dann beten?

Vier Jahre nach Kundus

Oberst Klein (jetzt Brigadegeneral)

In der Nacht zum 4.September 2009 gab der damalige Oberst Klein den verheerenden Befehl, zwei in der Nähe von Kundus entführte Tanklastwagen zu bombardieren. Es wurde der bisher blutigste Einsatz in der Geschicht der Bundeswehr. Neben einigen Taliban starben laut einem NATO- Bericht (in BILD vom 16.11.2009 und STERN vom 7.11.2009) bis zu 142 Zivilisten, dabei auch viele Frauen und Kinder. Die Bundeswehr spricht unter dem Druck der Ermittlungen von „nur“ 91 Toten.

Vier Jahre nach dem Massaker von Kundus bleiben für viele Bürger noch viele Fragen offen. Für den Täter und die Regierung ist aber offensichtlich alles paletti, sie möchten angesichts des beginnenden Wahlkampfes ihre Ruhe haben und alles nach Möglichkeit in einem „Papierkorb“ versenken.

Wieso eigentlich auch nicht? Der Generalbundesanwalt stellte doch das Ermittlungsverfahren gegen Klein ein: weder die Vorschriften des Völkerstrafgesetzes noch die von zivilen Strafgesetzen seien verletzt worden. Die Bundeswehr wollte von einem Disziplinarverfahren nichts wissen. Die 146 Sitzungen des Untersuchungsausschusses im Bundestag verliefen wie das Hornberger Schießen: jede Partei schob die Verantwortung der jeweils anderen Seite zu. Der Bericht wurde im Bundestag dann  nur “einstimmig zur Kenntnis genommen“. Sonst nichts!

Oberst Klein tat 2009 als Soldat nichts als seine Pflicht. Das tat er zusätzlich auch noch als Christ: nach dem Bombardement, so wird berichtet, soll er in die Lagerkapelle gegangen sein, um zu beten. Das beruhigt und wäscht von allem rein. So richtig aber wohl dann doch nicht: denn bei seiner Vernehmung gab er an, dass er sich manchmal Vorwürfe mache, weil auch Kinder und Frauen getötet wurden.
Die männlichen Toten waren sowieso Taliban und wurden somit legal „neutralisiert“, anders gesagt, Klein hat sich des verbotenen „Target killings“, also des „gezielten Tötens“ bedient.

Nach Erfüllung seiner militaristischen Christenpflicht wurde munter vertuscht oder gefälscht. Meldungen wurden verändert, geschönt oder gelöscht. Der Tatort wurde gereinigt. Die zur Aufklärung eingesetzten Feldjäger fanden nach 10 Stunden – vorgeschrieben sind zwei – ein nahezu “steriles” Terrain vor. Bei WikiLeaks fanden sich Unterlagen des Untersuchungsberichtes, die besagen, es habe sich „ein offensichtlich deutlich veränderter Ereignis-Ort (gezeigt), der einen geradezu stark gereinigten Eindruck hinterlässt. Es sind nur noch minimale Spuren von Humanmaterial zu finden, weder Tote noch Verletzte sind vor Ort…“.
Wunder über Wunder! Was Beten doch so alles bewirkt!

Gut tat das sicher auch allen anderen “Saubermännern”, denn einen Kriegsschauplatz mit verbrannten oder zerfetzten Leichen zeigt man nicht gerne in den Medien. Solche Unappetitlichkeiten passen sowieso nicht in die offizielle Vorstellung vom “sauberen Krieg”!

Wie dem auch sei, in den Medien wurde dann recht halbherzig nachgefragt. In bundeswehrnahen Veröffentlichungen (Wehret den Anfängen: Solidarität mit Oberst Klein auf: “Politically Incorrect“) wird der Oberst sogar als Held und Märtyrer gefeiert.

Offiziell wird Klein mit einer Beförderung geehrt. Der Oberst ist ab März 2013 Brigadegeneral und darf in der Lüttich- Kaserne in Köln- Longerich im neuen “Bundesamt für Personalmanagement” wirken.

Er verdient jetzt monatlich ohne Zuschläge ca. 11.000.- €.
Den Hinterbliebenen der Opfer bot man als Entschädigung jeweils 5000.- US- Dollar an, das sind ca. 3600,- €

Dafür müssen sie am Landgericht in Bonn einen langwierigen Prozess führen, gegen die Verschleierungs- und Hinhaltetaktik von Regierung und Militär. “Ein Schlag in die Gesichter der Hinterbliebenen” findet auch Karim Popal, deren Anwalt .

Erst töten, dann beten? Wie so vieles, auch das war früher anders: da wurde erst gebetet und dann getötet!

 

pdf icon2013-09-03_Kundus_Gedenktag_Flyer

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